Mutterinstinkt

In den letzten Tagen war das Thema Stillen wieder mal in den Medien, der Aufhänger war die deutsche Ausgabe Der Konflikt von Elisabeth Badinter. In den Interviews die ich gelesen und gehört habe, prangert sie den heutigen ,Zwang zum Stillen‘ und zur ,natürlichen Geburt‘ an.
Sie klagt die Gesellschaft an sie zwinge die Frauen dazu zu verzichten, zu Gunsten der neuen Generation, zu gunsten ihres Neugeborenen, ihrer Kinder.

Mir fehlt in dieser ganzen Diskussion das Gegengewicht, dass Frauen unterstützt werden, ihre Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit geniessen zu dürfen. Ich wünsche mir, dass sie unterstützt werden auf ihr Gefühl, ihre innere Stimme zu hören; dass man ihnen zutraut, dass sie korrekt wahrnehmen was ihr Kind braucht und wissen wie darauf reagieren.

Gestern und heute haben mir zwei Frauen angerufen, beiden wurde von ,offiziellen‘ Stellen abgeraten nachts zu stillen und das Baby auf keinen Fall im elterlichen Bett zu stillen und schlafen zu lassen. Die eine Begründung war, das Kind entwickle sich sonst zum Tyrannen, die andere war das fördere den plötzlichen Kindestot.
Ein acht Monate altes Kind hat gar nicht die Fähigkeit, ein Tyrann zu sein - es drückt seine Bedürfnisse aus und wenn diese gestillt werden, im übertragenen wie im direkten Sinn, lernt es Vertrauen – werden diese nicht befriedigt, wird es später als grösseres Kind oder Erwachsener möglicherweise lernen tyrannisch oder manipulativ zu sein, um seine Wünsche und Bedürfnisse erfüllt zu bekommen - oder möglicherweise depressiv, mit dem Gedanken ich erhalte ja sowieso nicht was ich brauche, ich habe keinen Einfluss auf mein Leben..........
Ein Kind das wahr genommen wird, dessen Bedürfnisse gestillt werden, entwickelt sich zu einem freien, liebevollen, selbstbewussten Menschen - und die Erde braucht wahrlich solche Menschen! Siehe auch Wenn ein Kind...

Noch ein Wort zum plötzlichen Kindestot: er wird immer noch erforscht, die Meinungen gehen auseinander; viel weist darauf hin dass Stillen und schlafen im gemeinsamen Bett oder wenigstens Zimmer den plötzlichen Kindestot verhindert. Es ist natürlich klar, dass wenn man sein Baby im Bett hat, man es nicht auf ein weiches Kissen legt, und sollte man mal eins über den Durst getrunken zu haben, was frau als stillende Mutter sowieso kaum je tut, oder starke Medikamente einnehmen muss, es dann in sein eigenes Bettchen legt. Sollte der Vater Raucher sein, ist von einem Familienbett auch abzuraten. Der Mutterinstinkt ist stark und beschützend, die Mutter spürt, wenn etwas mit dem Kind nicht stimmen sollte. Viele Mütter schlafen besser mit dem Kind im Bett oder ganz nahe am eigenen Bett, wie sie mir in den Beratungen immer wieder bestätigen.

An ein Appell an Leute die mit schwangeren Frauen und neuen Müttern zu tun haben: ermutigt sie, ihr Kind zu beobachten, aufzunehmen was es mitteilt und dann ihren Gefühlen zu trauen und danach zu handeln - ein Kind teilt uns schon mit, wenn wir es nicht richtig verstanden haben, geduldig, immer wieder und belohnt uns mit mit seinem Wohlbefinden, wenn wir verstanden haben und danach gehandelt haben.

Und meine Anregung an Frauen und Mütter, die widersprüchliche, auch zu ihren eigenen Instinkt und Gefühlen stehende, Ratschläge erhalten, stell Dir vor Du seist mit Deinem Baby und seinem Vater ganz allein auf einer Insel; was würdest Du dann tun? Und dies ist dann genau das Richtige.

1 Kommentar

  1. .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen) am 25. Oktober 2010

    Danke Christina für diesen Beitrag. Ich unterstütze Dich in Deinen Ausagen! Frauen, die instinktiv das Richtige machen, sich um ihren Nachwuchs liebevoll kümmern, zeit investieren,  gewisse persönliche Bereichen zurücknehmen, kommen unter Kritik. Da ist doch wohl was falsch gelaufen in unserer Gesellschaft.

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